Die Sache mit der Arthrose 3/3

Die Arthrose an sich, ist eine komplexe Erkrankung „mit vielen Gesichtern“. Dementsprechend kann es natürlich keine Standard-Therapie geben.

Und dann bringt ja auch noch jeder vierbeinige Patient seine eigene Geschichte und Persönlichkeit mit. 

Da gibt es den sprichwörtlich „harten Hund“, der trotz größter Schmerzen tatsächlich nicht mal mit der Wimper zuckt. Aber genau so „die Mimose“, die bei leichtestem Unwohlsein theatralisch rumjammert oder gar lautstark aufschreit.

Anmerkung am Rande: der Alltag in der Praxis zeigt, dass gerade die oftmals „harten Schutzhundrassen“ zur zweiten Kategorie gehören (wenn sie nicht im Arbeitsmodus/-trieb sind).  🙃

Davon abgesehen kommt dann noch dazu, dass jeder Organismus unterschiedlich auf Behandlungen anspricht. 

Aber das Ziel ist eindeutig:
Schmerzen lindern und den Arthroseprozess, so gut es geht, verzögern. Im Idealfall vielleicht sogar für lange Zeit Schmerzfreiheit zu erreichen.

Therapie

So. Puh. Fühlt sich für Dich gerade an wie „nichts genaues weiß man“!? Dann lass uns jetzt Schritt für Schritt durchgehen. Wir starten noch mal bei der Aussage Deines Tierarztes:

„Er hat Arthrose!“ 

Im Akutfall wird Dein Hund nun sinnvoller Weise mit einem Schmerzmittel und ggf. mit Cortision abgedeckt. Eventuell heißt es nun auch „dauerhaft Schmerzmittel“.

Und leider hört die Arthrosetherapie hier oftmals direkt wieder auf.

Regelmäßig kommen Patientenbesitzer mit (Tierarzt)Aussagen wie „der ist halt alt, da kann man nichts machen“ oder „es geht ihm ja insgesamt noch gut, da muss man noch nichts machen“ zu mir in die Praxis…

Dabei gibt es noch sooo viele Therapieansätze!

Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Therapieoptionen zu berücksichtigen.

Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Therapieoptionen zu berücksichtigen. Deshalb lohnt sich unbedingt der Weg zu einem „Arthrosespezialisten“ bzw. Physiotherapeuten.

Dieser wird die verschiedenen Maßnahmen individuell und variabel auf Deinen Hund und Deinen Alltag abstimmen und ggf. miteinander kombinieren.

Da es sich ja um ein grundlegend komplexes Geschehen handelt, spricht man von

Arthrosemanagement bzw. multimodaler Arthrosetherapie.

Die nachfolgende Grafik verschafft Dir einen Überblick, welche Aspekte das Arthrosemanagement umfasst. 

Und auch, wenn der erste Blick es nicht vermuten lässt, vieles kannst Du selbst zur Steigerung der Lebensqualität Deines Tieres beitragen! 

Schulmedizinische Schmerztherapie 

In der Akutsituation erfolgt natürlich die klassische Schmerzbehandlung mit Medikamenten. Da die meisten Schmerzmittel auch entzündungshemmend wirken, ist es wichtig, dass es nicht nur kurz „an schlechten Tagen“ sondern wirklich kurweise (wie verordnet) gegeben wird. Nur dann kann ein evtl. vorhandener Entzündungsprozess wirklich „abgearbeitet“ werden.

Bei magenempfindlichen Tieren empfiehlt es sich direkt ein Magenschutzpräparat mitgeben zu lassen. Viele Schmerzmittel wirken sich nämlich leider mittel-/langfristig negativ auf den Magen-Darm-Trakt aus. Und allein schon aus diesem Grund wird ein guter Tierarzt auf weitere Maßnahmen und unbedingt zu physiotherapeutischer Begleitung raten!

Ergänzende/alternative Schmerztherapie

Häufig lassen sich mit ergänzenden/alternativen Schmerztherapien wie der Akupunktur oder der Blutegeltherapien enorme Erfolge verzeichnen. Ziel ist gerne die Schmerz(mittel)freiheit aber auch „nur“ die Schmerz(mittel)reduzierung ist natürlich schon ein super Ergebnis. 

Gewicht

Selbst geringes Übergewicht begünstigt den Arthroseprozess. 

Davon abgesehen, befinden sich im Fettgewebe auch noch entzündungsfördernde Hormone. 

Die Gewichtsreduzierung ist also eines der „wirkungsvollsten  Schmerzmittel“!

Ernährung

Eine „gesunde und ausgewogene“ Ernährung ist auch für unsere Hunde wichtig – natürlich mit passendem Energiegehalt (siehe Gewicht). Getreidefreies/-armes Futter wird empfohlen, da auch der getreidereichen Ernährung eine entzündungsbegünstigende Wirkung zugeschrieben wird.

Nahrungsergänzungsmittel

Das Feld der Nahrungsergänzungsmittel ist riesig und seriöse Studien zur Wirksamkeit gibt es in der Regel nicht. 

Davon abgesehen, gibt es aber immer wieder positive Erfahrungsberichte. Somit spricht eigentlich nichts dagegen, Nahrungsergänzungsmittel auszuprobieren. Es muss einem nur klar sein, dass dadurch keine Heilung und vielleicht auch einfach keine Verbesserung der Situation eintritt.

Bewegung

Bewegung ist bei Arthrose unbedingt wichtig! 

Die Gelenke werden dadurch versorgt und natürlich brauchen auch Muskeln, Bänder, Sehnen und vor allem auch die Faszien regelmäßig Bewegung.

Wichtig ist hier angepasste „gute“ Bewegung. Alter, Erkrankung, aktuelle Schmerzsituation müssen selbstverständlich berücksichtig werden.

Belastung 

Durch abrupte Geschwindigkeits- und Richtungswechsel (z. B. Ballspiel), Sprünge aber auch intensive gleichförmige Bewegung (joggen, Rad fahren – insbesondere auf hartem Boden) wird der Gelenkverschleiß begünstigt.

Auch übermäßiges Toben erhöht im Zweifel die Traumagefahr, da die vorgeschädigten Strukturen belastet werden und die unkontrollierten Bewegungen nicht immer adäquat aufgefangen werden können.

Die sportliche Auslastung (Hundesport) sollte genauso hinterfragt werden, wie die Dauer der eigentlich üblichen Hunderunden.

Alltagsdinge

Wie so häufig im Leben, sind es auch die kleinen Dinge/Veränderungen, die eine große Wirkung haben können. 

Daher ist es absolut wichtig, mal den Alltag zu hinterfragen und zu schauen, ob sich etwas optimieren lässt!?

Liegestellen | Krallen | Treppen | Mantel | Wasser-/Fressnapf | glatte Böden | Autofahrt | Aktivität | Liegedecke für unterwegs | und und und…

Chiropraktik/Osteopathie

Durch Blockaden in der Wirbelsäule oder den Gelenken können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen entstehen. Die chiropraktische/osteopathische Behandlung löst diese mittels manueller Techniken ganz sanft. 

Arthrosehunde oder ältere Tiere profitieren sehr von der Wiederherstellung/Verbesserung der Beweglichkeit und zeigen dies meist mit neu gewonnener Bewegungsfreude.

Arthrose und Physiotherapie

Sämtliche physiotherapeutischen Maßnahmen haben das Ziel Schmerzen zu lindern oder gar Schmerzfreiheit zu erreichen. 

Das Fachmagazin Science Translational Medicine schreibt sogar

„Physiotherapie wirke vermutlich nach dem gleichen Prinzip wie gebräuchliche Schmerzmittel“

Bei einer Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates ist Physiotherapie  also unbedingt sinnvoll! 

Sie kann sogar eine Alternative (auf jeden Fall aber eine wertvolle Ergänzung) zur operativen/medikamentösen Krankheitsbehandlung darstellen!

Gerade bei Arthrosepatienten führt regelmäßige Physiotherapie zur deutlichen Verbesserung der Lebensqualität!

Fazit

„Er hat Arthrose!“ ist eine gravierende Diagnose und eine sehr komplexe Erkrankung. Aufgrund der unzähligen Therapieansätze gibt es aber eine reelle Chance, dass Du Deinem Hund „trotz Arthrose“ zu mehr Lebensqualität und Bewegungsfreude verhelfen kannst. 

Die Lebensqualität Deines vierbeinigen Lieblings lässt sich mit einem guten Arthrosemanagement deutlich verbessern!

Sinnvoller Weise informierst Du Dich selbst weiter gut und holst Dir zusätzlich Unterstützung bei einem „Arthrosespezialisten“ bzw. Physiotherapeuten. 

Denn natürlich ist es zielführender, Mithilfe eines konkreten Therapieplans vorzugehen.